Auswahl der richtigen Heizung – Einbau Heizung im Expeditionsfahrzeug – Teil 1

Dies ist der erste Teil einer Serie zum Thema Heizung im Reisemobil. Bevor es darum geht welche Heizung wir einbauen, da wollen wir mal beleuchten, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt und wie stark unsere Heizung sein sollte.

Wir zeigen dir wie wir die nötige Heizleistung berechnet haben und für welche Heizungstypen (ja Mehrzahl) wir uns entschieden haben. Wir haben dir auch ein paar Onlinerechner programmiert, die dir bei der Berechnung der Heizleistung helfen sollen.

Das Video zur Serie: Heizung im Allrad Camper

Hier findest du unser umfassendes YouTube Video zum Thema Heizung im Expeditionsmobil.

Welche Arten von Heizungen kannst du in dein Reisemobil einbauen?

Es geht dabei garnicht so um die Art der Heizung, als vielmehr um die Art des Brennstoffes. Generell gibt es mehrere Optionen:

  • Strom
  • Gas
  • Diesel
  • Holz bzw. Kohle

Die Vor- und Nachteile der einzelnen Energiequellen zum Heizen beleuchten wir in den einzelnen Kapiteln.

Vor- und Nachteile von Strom als Energiequelle zum Heizen im Camper

So verlockend es auch ist einen kleinen Heizlüfter im Fahrzeug zu haben, so energieraubend ist es auch. Um 2kw Heizleistung zu erzeugen benötigt es bei 12 Volt ca. 167 Ah. Das bedeutet, dass ein 200Ah LiFePO Akku, wie wir ihn verbaut haben, in weniger als 1,5h leer ist. Damit scheidet für uns Strom zur Beheizung der Wohnkabine aus.

Was durchaus funktioniert ist eine elektrische Heizdecke für den Kuscheleffekt im Alkoven. Elektrische Heizdecken haben eine Leistung von ca. 100 Watt und haben damit einen Verbrauch von ca. 9 Ah. Die meisten modernen Heizdecken schalten sich automatisch nach wenigen Stunden aus. Insofern ist es ein kleiner „Wärmekickstart“.

Leider ist die Verbindung aus wenig Licht im Winter und damit wenig Energiegewinnung durch Solar und höherem Verbrauch durch die Kälte nicht wirklich zielführend. Was aber funktionieren kann sind die Einsatzgebiete bei denen viel Sonne herrscht und es Nachts kalt wird. Z.B. in extremen Höhen, oder aber in der Wüste.

Vor- und Nachteil einer Gasheizung im Wohnmobil

Gas hat eine sehr hohe Energiedichte. D.h., dass wenig Brennstoff schon relativ viel Heizleistung erzeugen kann. Eine Truma S 3.5kw Heizung verbraucht zwischen 30 und 280 Gramm Gas pro Stunde (laut Hersteller).

Der Nachteil einer Gas-Heizung ist, dass ein entsprechenden Gastank bzw. Gasflaschen verbaut sein müssen. Damit einher gehen auch die Einbauvorschriften, die berücksichtigt werden müssen.

Des Weiteren ist Gas nicht überall erhältlich und muss teilweise mit entsprechenden Adaptern zugängig gemacht werden.

Wir haben momentan keine Gas-Heizung geplant obwohl wir einen großen Gastank zum Kochen verbaut haben. Die Option eine Gas-Heizung einzubauen besteht also, wenn wir eine zweite bzw. dritte Heizung benötigen würden.

Vor- und Nachteile einer Dieselstandheizung im Camper

Auch Diesel hat eine hohe Energiedichte, wenn auch nicht so hoch wie Gas, und eignet sich damit hervorragend als Brennstoff für die Heizung in der Wohnkabine. Eine Autoterm Air 2d mit 2kw Leistung verbraucht zwischen 0,1 und 0,24l Diesel pro Stunde.

Diesel zum Heizen ist in der Regel immer vorhanden und kann problemlos nachgekauft werden. Wenn es keinen Diesel gibt, dann haben wir als Reisemobilfahrer auch noch weitreichend andere Probleme.

Auf dem Campingplatz kann die Dieselstandheizung aber für Unruhe sorgen, da die Dieselpumpe ein lautes klacken von sich gibt und natürlich der Verbrennungsgeruch des Diesels wahrnehmbar ist.

Vor- und Nachteile eines Holzofens im Reisefahrzeug

Holz steht fast überall und im Zweifelsfall auch sehr kostengünstig zur Verfügung. Dazu kommt natürlich auch der tolle Kuscheleffekt und die trockene Luft, die der Holzofen generiert. Das Knistern und Rauschen der Flammen, das flackernde Licht. Ein Holzofen ist nicht einfach nur ein Heizgerät, sondern ein Lebensgefühl.

Doch natürlich ist der Holzofen nicht nur romantisch, sondern erzeugt auch Ruß, muss gereinigt werden und feuert nicht einfach eine Nacht lang Wärme in den Raum. Wenn das Holz verbrannt ist, dann muss nachgelegt werden. Auch Nachts um 3 Uhr.

Die Wärmeabstrahlung wird bei Öfen häufig in BTU angegeben und muss erst in Kilowatt umgerechnet werden. Dabei spielt natürlich eine große Rolle welches Holz verwendet wird und wieviel verbrannt wird. Aber selbst ein kleiner Holzofen wie der Cubic Mini erzeugt bis zu 16.000 BTU was ungefähr 4 Kilowatt entspricht.

Möchtest du einen Holzofen in dein Reisemobil einbauen und willst wissen wieviel KW Heizleistung dieser hat? Wenn der Hersteller nur BTUs angibt, dann kannst du einfach unseren BTU nach KW Umrechner nutzen.

Welche Heizleistung brauchen wir in unserer Wohnkabine?

Das Grundprinzip ist ganz einfach um die Heizwärme zu berechnen. Du brauchst dafür nur die Oberfläche deiner Kabine, die Dicke der Dämmung und die Wärmeleitfähigkeit des Materials. Wenn du nun die niedrigste Außentemperatur für die du gewappnet sein willst kennst und die in diesem Umfeld angestrebte Innentemperatur, dann kannst du ausrechnen welche Heizleistung du in Kilowatt benötigst um den Raum auf diese Temperatur zu bringen und zu halten.

Aber ganz so einfach ist es doch nicht mit der Heizleistung im Allrad Camper

Beim Aufbau der Wohnkabine kommen natürlich unterschiedliche Materialien zum Einsatz. Eventuell ist die Dämmung auch nicht überall gleich dick insofern ist es mit einem einzelnen Wert für die Wärmeleitfähigkeit nicht getan.

Wir haben z.B. im Boden 4 cm XPS und in den Seitenwänden ebenfalls. Im Dach haben wir 5 cm XPS. Der Einfachheit halber bin ich von 4 cm überall ausgegangen, da ich auch die Fenster nicht mit eingerechnet habe ist für mich diese Berechnung nur ein Anhaltswert.

Dazu kommt auch, dass sich Wärme nicht gleichmäßig im Raum verteilt. Warme Luft steigt nach oben und dort liegen wir Nachts im Alkoven. D.h., wenn wir die Heizung auf Vollgas drehen, dann staut sich die Wärme im Bett und es ist dort garantiert etwas wärmer als im restlichen Wohnbereich.

Wie berechnest du jetzt die nötige Heizleistung?

Als erstes berechnest du die Oberfläche deiner Wohnkabine. Dazu zerlegst du gedanklich deine Oberfläche in mehrere Vierecke. Du multiplizierst die Seiten jedes deiner Vierecke miteinander und addierst die einzelnen Werte auf. Das ist Oberfläche der Wohnkabine. Bei unserer Kabine sieht das in etwa so aus:

Oberfläche Gesamt = Dach(5,30*2,50) + Boden(5,30*2,50) +  SeitenwandWohnbereichLinks(3,50*2,40) + SeitenwandWohnbereichRechts(3,50*2,40) + Rückwand(2,50*2,40) + Front(2,50*2,40) + SeitenwandAlkovenLinks(1,80*0,90) + SeitenwandAlkovenRechts(1,80*0,90)= ca. 59 qm
-- Berechnung für unsere Kabine mit Alkoven

Berechnung des U-Werts (Wärmedurchgangskoeffizient)

Der U-Wert bestimmt wie stark der Fluss von Wärme durch ein Material hindurch stattfindet. Der U-Wert berechnet sich folgendermaßen:

U-Wert = 1 / ((DickedesMaterials(40mm) / 1000) / Wärmeleitfähigkeit(0,034)) = 0,85
-- Die Ermittlung des Wärmedurchgangskoeffizienten (Dicke des Materials / 1000 wandelt in diesem Fall die mm in Meter um)

Die Wärmeleitfähigkeit deines Materials bekommst du aus dem Datenblatt des Herstellers deines Dämmstoffs. 0,034 ist der Wert von Ursa XPS.

Berechnung des Temperaturunterschieds

Temperaturdifferenz = Innentemperatur(25+273) - Außentemperatur(-15+273) = 40 Grad Kelvin
-- Die Formeln arbeiten mit Kelvin anstatt Celsius, deshalb wird beiden Temperaturwerten 273 addiert. Das macht natürlich in der Subtraktion keinen Unterschied. Ich wollte es aber der Richtigkeit wegen in der Berechnung darstellen.

Finale: Berechnung der Heizleistung

Jetzt brauchst du die Ergebnisse der Berechnung vorher und musst diese nur in die folgende Formel eintragen:

Benötigte Heizleistung in KW = (Oberfläche(59) * U-Wert(0,85) * Temperaturdifferenz(40)) / 1000 = ca. 2 KW
-- Beispielwerte sind die unserer Kabine

Damit du aber nicht alles selbst ausrechnen musst haben wir dir einen Onlinerechner gebaut. Füge einfach deine Zahlen ein.

Für welche Heizung im Reisefahrzeug haben wir uns jetzt entschieden?

So romantisch wie ein Holzofen ist, so wollen wir doch relativ einfach Wärme erzeugen können ohne Nachts aufstehen zu müssen um Feuerholz nachzulegen. Deshalb kam ein Holzofen als einzige Wärmequelle nicht in Frage.

Am liebsten hätten wir im ganzen Camper auf Gas verzichtet, aber leider sind die Dieselkochfelder noch lange nicht so effizient wie ein Gasfeld. Nichts desto trotz wollen wir uns nicht noch mehr von Gas abhängig machen als nötig. Deshalb haben wir auch keine Gasheizung eingebaut.

Somit haben wir uns für eine Dieselheizung entschieden. Sie bietet genug Komfort und basiert auf einem Brennstoff der überall zur Verfügung steht. Genauer gesagt haben wir die Autoterm Air 2d verbaut. Mit 2 Kilowatt ermöglicht sie es uns rein rechnerisch den Raum 40 Grad Celsius wärmer zu betreiben als die Außentemperatur. D.h. auch -20 Grad Celsius sollten kein Problem sein.

Aber wir sind auch Romantiker und Kuschler. Deshalb haben wir auch den Cubic Mini Holzofen mit eingeplant. Er ist nicht die Heizung für jeden Tag, aber für den besonders flauschigen Tag. Er ermöglicht es uns auch bei Dieselknappheit auf Holz zurückzugreifen. Mit 4 Kilowatt Heizleistung sorgt er für die Rettung bei extremer Kälte.

D.h. mit insgesamt 6 Kilowatt Heizleistung sollten wir in der Lage sein auch den härtesten Winter zu überstehen.

Wenn du anhand unserer Berechnungen deine Heizung und Heizleistung ermittelt hast, dann schreib uns das Ergebnis gerne mal in die Kommentare. Es ist sicherlich auch für andere Leser interessant.

Weitere Artikel aus der Serie

Sobald alle Artikel dieser Serie erscheinen werden sie hier verlinkt. Wir beschreiben alle Phasen unseres Heizungseinbaus. Von der Auswahl über den Einbau bis zum Testlauf und der Bedienung.

Installation der Dieselstandheizung – Autoterm Air 2D – Einbau Heizung im Expeditionsfahrzeug – Teil 2
Im ersten Teil der Serie haben wir erklärt warum wir uns für …

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